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Spätsommer als Spiegel – mein Umgang mit dem Älterwerden

sandroflorin4
25. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Sept.

 

 


 

Der Spätsommer trägt eine besondere Stille in sich. Das Licht wird weicher, die Tage kürzer, die Früchte schwerer, nicht um zu sterben, sondern um zu reifen. Genauso verhält es sich mit dem Älterwerden, wenn wir es nicht bekämpfen, sondern annehmen. Es ist eine Bewegung von Äusserlichkeiten hin zu mehr Tiefe.

 

 

In jungen Jahren suchen wir Anerkennung, Bestätigung - äussere Formen. Dies weicht nun allmählich einer stillen Frage: Was ist wirklich wertvoll, wahrgenommen zu werden? Nicht von andern, sondern von uns selbst. Yoga lehrte durch tägliches Üben, dass das Älterwerden nicht nur ein innerer  Prozess ist,  es braucht auch eine gelebte Praxis, die den Körper, den Geist und die Seele nährt. Und so übe ich: Ich halte meine Yogalektionen regelmässig und wahrhaftig, aber nicht nur die äussere Form. Beobachte auch achtsam die inneren Prozesse, die feinen Empfindungen, das leise Pochen des Gewahrseins. Es braucht Disziplin, um dies zu lernen, es ist keine Härte, sondern dies ist eine liebevolle Zuwendung zu mir selbst.

 

 

Nach meiner Überzeugung ernähre ich mich gesund, vielfältig und mit Genuss. Daraus wird eine Geste der Dankbarkeit an meinen Körper, der mich schon so lange trägt.Auf dem Bike erlebe ich Momente, in denen sich die Schönheit der Natur mit mir verbindet. Wind, Licht, Weite, es wird eine Einheit, die mich zum Stauen bringt. Es ist wie ein fliessendes Gebet in Bewegung. Ich übe mich aber auch darin, Wege zu gehen,  die anstrengend sind. Denn ich habe gelernt, dass die Kostbarkeiten des Lebens sich oft erst dann zeigen, wenn wir bereit sind, uns ein wenig Mühe zu geben. Wandern ist eine Leidenschaft. In der Ruhe und der Stille der Natur breitet sich eine tiefe Zufriedenheit aus. Ein Gehen, ein Atmen, das Sein.

 

 

Was mein Älterwerden ausmacht im Äussern. Die Haut ist nicht mehr so glatt wie früher (aber dafür voller Geschichten). Ich übe mich darin, dies nicht als Makel zu sehen, sondern als Landkarte meines Lebens. Vielleicht weist mich die Haut auf ein Tor hin, welches nach innen führt. Das Wesentliche sehen lernen. Das Tiefe fühlen und das Authentische, möge es seinen Ausdruck in mir finden.

 

 

Das heisst: Loslassen beginnt äusserlich an der Oberfläche. Ich spüre manchmal an der Veränderung, wie ich an einem Bild festgehalten habe, welches sich verabschieden sollte. Die Haut wird weicher, der Kern im Innern dafür klarer. Die äussere Hülle wird durchlässiger, und was innen ist, darf hervortreten. Und dann helfen mir Fragen. Welchem Aspekt meines Lebens gebe ich Raum, um sich entfalten zu können? Was lasse ich zurück? Vielleicht Rollen, eine Angst, ein Bild von mir, das nicht mehr passt?

 

 


 

 

 






















Und was bleibt? Die Reife, die Kehrtwende nach innen, die Zufriedenheit, die daraus wächst. Es geschieht ganz leise. Kein Triumph, kein lauter Ruf. Nur Atemzug, der tiefer wird. Dies ist mein Weg ins Älterwerden. Manchmal gelingt es mir und manchmal auch nicht).  Ins Annehmen, in die Dankbarkeit eines tief empfunden  Gewahrseins. In eine Würde, die das Leben nicht erklärt, sondern wertschätzt. Durch die Verbindung des Übens im Körper, die Füsse spüren, auf dem Boden, das Herz offen im weiten Bewusstsein, gehalten im  tiefen Sein.

 

 

Durch Yoga habe ich gelernt, dass geistige Übungen immer eine Entsprechung in unserm Körper brauchen. Den Rhythmus des Körpers wahrnehmen und ihm folgen. Die Haltung auf der Matte wird zur Haltung im Leben. Dem Rhythmus des Atems folgen. Daraus entsteht Ruhe im Geist. Es braucht jede Ebene, um die Stille des Daseins fühlen zu können. Verbundenheit als lebendige Praxis. Aus all dem erwächst eine tiefe Verbundenheit, mit Menschen, mit der Natur, dem Leben selbst in all seinen Facetten. Ich liebe es, Menschen zu motivieren, sie an ihre eigene Kraft zu erinnern und sie einzuladen, den eigenen Weg zu gehen. Dabei bleibe ich ausgerichtet und auch kritisch, denn die Unterstützung soll nicht blosse Zustimmung sein, sondern liebevolle Begleitung. Eingewoben in Mitgefühl, wie ein weicher Faden in einem festen Tuch. Die tiefsten Begegnungen entstehen dort, wo wir ehrlich mit uns selbst sind, mit all unseren Falten und Fragen sowie Stärken und Schwächen. Wo wir einander nicht retten wollen, sondern begleitend voneinander lernen dürfen. Herzlichen Dank für die Zeit die du mir durch dieses Lesen geschenkt hast. Alles Liebe mariA  „Den Innern Prozess wahrnehmen, den das Älterwerden mit sich bringt."

 

 

 


 






























mf/09.26

 
 
 

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